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Jobs im Esport - Interview mit Reptice
12.08.2020 20:00
Wie ist die Arbeit im Esport? Wir haben darüber mit Reptice, der unter anderem für ALTERNATE aTTaX tätig ist, gesprochen.


Der Satz "Ich würde gerne im Esport arbeiten!" ist im Jahre 2020 sicher schon sehr oft gefallen. Immer mehr junge Leute sehnen sich danach, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Was alles hinter der Arbeit im Esport steckt und wie man überhaupt an so einen Job kommt, das wollen wir euch heute etwas Näher bringen. Reptice arbeitet bei ALTERNATE aTTaX, einer der bekanntesten Esport-Organisationen Deutschlands, und ist zusätzlich noch bei den Merkur Masters tätig. Wir haben ihm ein paar Fragen zu seinem Job gestellt.
csnews.de: Du bist derzeit bei ALTERNATE aTTaX als Community- und als Team-Manager (Clash of Clans) tätig. Zusätzlich unterstützt du die Merkur Masters als Projekt-Manager und im Social-Media Bereich. Kannst du uns die einzelnen Bereiche kurz erklären?

Reptice: Aber natürlich!
Der Community-Manager kombiniert viele Aufgabenbereiche. Ich fungiere als Bindeglied zwischen der Organisation und den Supportern. Grob gesagt drücken ihn viele auch als “Moderator, Impulsgeber, Treiber und Entertainer” aus. Die Umschreibung finde ich sehr passend. Als Moderator nehme ich zuvorkommend Fragen, Ideen oder Kritik entgegen und kläre diese bestmöglich. Als “Impulsgeber, Treiber und Entertainer” diene ich vor allem im Twitch-Chat, indem ich gemeinsam mit der Community unsere Spieler anfeuere und so ein Miteinander bilde. Mit unserem Social-Media Manager konzipiere ich neue Content-Ideen, welche passend für die Community umgesetzt werden sollen.


Ich bin außerdem auf den Social Media Plattformen für die direkte Kommunikation mit den Supportern zuständig. Das bedeutet, ich sammel neue Ideen für die Community und bin der Hauptverantwortliche, der die Personen betreut. Ich diene als Ansprechpartner für Lob, Kritik und Fragen und reagiere, idealerweise binnen kurzer Zeit, auf Kommentare oder Kritik und suche anschließend den Dialog mit den Supportern.

Als Team-Manager ist mir vor allem das Wohlsein aller Spieler sehr wichtig. Daher bin ich in jedem Augenblick für diese erreichbar und habe immer ein offenes Ohr. Sobald es Probleme, Fragen oder Ähnliches gibt, kümmere ich mich schnellstmöglich darum, dass diese geklärt sind, sodass die Spieler immer 100% Fokus auf ihr Spiel geben können. Dafür übernehme ich die grundlegende organisatorische Arbeit und das Reporting. Das bedeutet ich prüfe den aktuellen Stand der erbrachten Leistungen und spreche mich mit dem Social Media Manager ab, damit dieser unsere Matchtermine covert und entsprechenden Content liefert. Außerdem analysiere ich die vom Team erbrachten Leistungen in Bezug auf ihre Reichweite.

Als Projekt-Manager sind meine Aufgaben sehr vielfältig und somit sehr unterschiedlich. Die Aufgabenbereiche reichen vom Support auf FACEIT, Discord oder Ähnlichem über die Moderation der verschiedenen Plattformen bis hin zum Ansprechpartner für vielerlei Personen, mit denen wir zusammenarbeiten. Ich unterstütze das Team bei allem so gut wie möglich. Vom gemeinsamen Brainstorming im Meeting bis hin zur Umsetzung, dem Support und der Organisation und vielem weiteren ist alles dabei.

Im Social-Media Bereich umsorge ich die Community der Merkur Masters auf all unseren Kanälen wie Twitter, Instagram, YouTube, Discord etc. mit Informationen, damit diese immer auf dem aktuellsten Stand bleiben. Gemeinsam mit meinen Teamkollegen besprechen und planen wir im Meeting den Content, wobei ich mich dafür sorge, dass wir diesen zeitlich auch so umsetzen, wie wir als Team uns diesen vorstellen.



csnews.de: Wie bist du an deine Jobs gekommen?

Reptice: Durch großes Engagement. Ich war schon immer jemand, der gerne Leute unterstützt. Egal wie, solange ich jemandem helfen und auch eine Freude machen konnte, reichte mir das aus. Es hat mir in erster Linie sehr viel Spaß gemacht. Meine Laufbahn im Esport fand vorerst nur durch Networking statt. Durch ehrliches Interesse meinerseits am Thema und viel Durchhaltevermögen zeigte ich, dass mir der Esport und die Menschen dort sehr am Herzen liegen. Auch bei “Rückschlägen” blieb ich motiviert, fokussiert und hartnäckig.


csnews.de: Wie viel Zeitaufwand steckt hinter deiner Arbeit?

Reptice: Das ist sehr schwer für mich selbst einzuschätzen. Es hängt immer davon ab, was grade ansteht. Viele unterschätzen die Zeit, Intensität, Anstrengung und die Komplexilität die hinter einem Beruf steckt, auch im Esport. Das fängt schon bei kleinen Aufgabenbereichen, wie z.B. das Managen eines Social Media Accounts an. Als Organisation im Esport baut man sich nach und nach eine Community auf und diese erwartet regelmäßigen Content. Viele Organisationen bieten dann, auf ehrenamtlicher Basis, einen Nebenjob an. Das ist für viele der perfekte Einstieg, aber es wird einem auch viel abverlangt. Im Esport gibt es keine Wochenenden oder Feiertage. Man muss also bereit sein auch an diesen Tagen 24 Stunden abrufbar zu sein und das schreckt dann viele Leute schon ab. Ich würde das Minimum meiner Arbeit auf 20 Stunden in der Woche schätzen. Mich begleitet meine Arbeit regelrecht den ganzen Tag, denn das Besondere im Esport ist, dass man nicht sonderlich ortsgebunden ist. Das ist toll und kann zugleich auch sehr anstrengend werden. Vor allem an solchen Tagen, an denen man mit seiner Arbeitsleistung nicht so zufrieden ist. Mir schwirren die Gedanken von morgens bis Abends im Kopf. Abschalten ist schwierig, denn du bist immer “auf der Arbeit”.


csnews.de: Was waren deine besten und deine schlechtesten Erfahrungen in dem Beruf?

Reptice: Das Beste ist, ein aktiver Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Durch den großen Zuwachs findet der Esport immer mehr Ansehen bei der Gesellschaft und somit auch für Sponsoren. Durch das moderne Geschäft bleibt es immer frisch und lebendig. Man begegnet so vielen wunderbaren Menschen, welche die gleiche Leidenschaft teilen. Sich gemeinsam mit anderen zusammen zu verwirklichen ist immer wieder eine schöne Erfahrung.

Kommen wir zum Negativen: Eine der Sachen, die ich negativ empfunden habe, ist die Art und das Verhalten einzelner Personen aus der Community. Viele Menschen fordern erst etwas von einem, bevor sie wirkliche Leistungen im Gegenzug erbracht haben. Das Herzblut engagierter Köpfe hinter den Kulissen wird von vielen nicht so gewürdigt und anerkannt, zumindest nicht so, wie es verdient wäre. In der deutschen Szene - und nur für diese kann ich sprechen - wird sich gerne über Fehler und Fehlentscheidungen, sowie über negative Ereignisse, amüsiert anstatt den betroffenen Personen Unterstützung anzubieten.
Außerdem finde ich es schade, wie einige Dinge im Esport meines Empfindens nach ablaufen. Ich denke, dass man Communities, die in einem anderen Esport-Titel vertreten sind, genauso wertschätzen sollte wie die eigene Community. Ich finde es schade das "Bashing" immer noch Gang und gebe ist. Ein gutes Beispiel dafür ist mMn. das Spiel Fortnite: Es wird gerne als "Kiddy-Game" reklamiert, obwohl es genauso Können- und Taktikbasiert ist, wie z.B. CS:GO. Es sind zwar zwei komplett unterschiedliche Spiele, aber für beide benötigt man ein gewisses Maß an Aim und strategischem Denken. Die Ausgrenzung von Leuten aus anderen Communitys ist für mich fast mit der Ausgrenzung von Personen im Allgemeinen zu vergleichen, so wie sie z.B. auch beim Rassismus stattfindet und das sollte nicht so sein. Das ist natürlich ein sehr direkter Vergleich, aber das Unterstreicht meinen Gedankengang denke ich ganz gut.


csnews.de: Verdienst du Geld mit deiner Arbeit im Esport?

Reptice: Ja, mittlerweile schon. Zu Beginn war es aber nicht der Fall und das war mir auch nicht wichtig. Ich wollte erst mal in meine Rollen reinwachsen und sehen, wozu ich im Stande bin. Im Jahr 2018 und -19 bin ich dem Hobby lediglich ehrenamtlich nachgegangen. Am Anfang habe ich aus reiner Lust und Laune geholfen. Erst dieses Jahr kam es dazu, dass es sich zu einer bezahlten Arbeit entwickelt hat, worüber ich sehr froh bin, da ich dieser mit Leidenschaft nachgehe.


csnews.de: Vielen Dank für den intensiven Einblick in deine Arbeit und wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg! Hast du noch ein paar abschließende Worte für uns?

Reptice: Ja, ich würde gerne meinen herzlichen Dank an alle aussprechen, die mir das, was ich jetzt machen kann, ermöglicht haben. Vor allem Stephan 'Scars' B. & Siniša 'XqzR' M.! Außerdem möchte ich allen Supportern danken, die uns von ALTERNATE aTTaX sowohl in guten, als auch in schlechten Zeiten immer Unterstützen und hinter uns stehen.

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