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Hinter den Kulissen: Interview mit dem COO der United Pro Series
10.02.2021 13:00 TheHotz
Die erste Saison der United Pro Series hat eine Welle der Begeisterung ausgelöst. CSNEWS hat mit Julia Wilner aus der Geschäftsführung von MateCrate gesprochen, um einen Blick hinter die Kulissen des Turniers zu werfen.


MateCrate ist eine in Hamburg ansässige Firma, die nicht nur Turniere wie die United Pro Series (UPS) veranstaltet. Stattdessen verwaltet man unter anderem auch den einst legendären Counter-Strike-Clan Mortal Teamwork (mTw). Die UPS war das erste große Counter-Strike-Turnier für MateCrate, zuvor hatte die Firma bereits Events in FIFA und League of Legends ausgerichtet. Was ein Veranstalter alles bei der Planung eines Events beachten muss erfahrt ihr im Interview mit Julia Wilner. Sie ist sowohl "Head of Marketing" als auch in der Funktion des "Chief Operating Officer" in der Geschäftsführung bei MateCrate tätig.

Vor wenigen Wochen führten wir bereits ein Interview mit Sinisa "XqzR" Mihajlovic, dem Projektleiter der Merkur Masters. Das Interview findet ihr hier.
CSNEWS: Ihr habt soeben die erste Saison der United Pro Series abgeschlossen, war das Turnier aus eurer Sicht erfolgreich?

Julia: Absolut. Wir haben unsere gesteckten Ziele übertroffen und sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Wir kommen schon jetzt an die Reichweitenzahlen von Wettbewerbern ran, haben den Twitch-Peak sogar übertroffen. Was will man also mehr?

CSNEWS: Hat etwas aus eurer Sicht besonders gut funktioniert während dem Turnier?

Julia: Tournament Operations können wir, das wissen wir von vergangenen Projekten. Allerdings haben wir zum ersten Mal ein Turnier mit (semi-)professionellen Teams an den Start gebracht. Somit hatten wir etwas Sorge bei dem Teilnehmerfeld. Bevor wir die Teams angesprochen haben, wussten wir gar nicht, ob sich alle Profi-Teams freuen und mitmachen wollen. Direkt die ersten Ansprachen haben eine so gute Resonanz gegeben, dass wir extrem zufrieden sind, welche hochkarätigen Partien wir zusammenstellen konnten.
Das Turnier lief reibungslos und trotz der vielen Herausforderungen wie der Corona-Pandemie oder der kompletten Roster-Changes über den Jahreswechsel, sind wir sehr zufrieden, wie unsere Turnier Organisation vonstattenging.


CSNEWS: Was möchtet ihr bis zum nächsten Mal verbessern?

Julia: Wir haben in einem nagelneuen Studio mit einer neu rekrutierten Studio-Crew gearbeitet. Die Production Quality, die wir liefern, ist schon jetzt extrem hoch. Wir verbessern uns von Show zu Show. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen.

CSNEWS: Ligen wie die ESLM oder 99Liga konnten bislang keine Live-Feeds von Spieler-Kameras bieten. Wie schwierig/leicht war das umzusetzen?

Julia: Für uns waren die Spieler-Facecams der logische Schritt, den wir gehen wollten, als wir beschlossen haben, aufgrund der aktuellen Situation keine Teams ins Studio zu holen. Eine latenzfreie Einbindung ist mit technischem Aufwand verbunden, aber der Effekt ist enorm. Warum die anderen Ligen das nicht machen, können wir nicht einschätzen. Sie werden aber sicher bald nachziehen.

CSNEWS: Viele Teams haben in der Winterpause Spieler gewechselt. Hätte man die Finals nicht eher vor der Wechselphase austragen sollen, damit nicht teilweise komplett verschiedene Roster antreten?

Julia: Wir haben unseren Kalender mit vielen Akteuren abgestimmt. Wir sind aktiv auf Wettbewerber wie die Merkur Masters oder die ESL zugegangen, weil wir uns nicht kannibalisieren möchten. Da wir nicht nur Turnierveranstalter sondern auch Orga-Betreiber von MTW (Mortal Teamwork) sind, wissen wir auch, wie wichtig es ist, die Teams mit einzubeziehen. Das haben wir getan und somit die Termine vorab diskutiert. Die Risiken waren uns bewusst - beispielsweise BIG. Omen Academy hat seine Teilnahme zurückziehen müssen. Das spannende war jedoch, dass wir das erste Turnier in 2021 waren, bei dem die neuen Lineups der CS:GO-Teams vorgestellt wurden.


CSNEWS: Stellte euch die Umstrukturierung zu einem Online-Turnier vor große Herausforderungen?

Julia: Wir sind kein klassischer Event-Veranstalter. MateCrate richtet seit drei Jahren Turniere aus, die größtenteils online stattfinden. Außerdem hatten wir ohnehin mit dem Online-Qualifier geplant. Eine Umstrukturierung gab es daher kaum. Nur schade, dass wir unsere große Bühne nicht mit den Teams einweihen konnten. Aber das wird auch bald kommen.

CSNEWS: Ihr habt bereits die zweite Saison in Aussicht gestellt. Wann und wo soll die stattfinden?

Julia: Die Spring Season findet vom 16.04. bis zum 30.05.2021 statt. Umgesetzt wird wieder alles aus unserem Hamburger Headquarter. Es wird in diesem Jahr dann auch noch die dritte Season geben.


CSNEWS: Plant ihr trotz COVID-19 die zweite Saison mit Spielern und Zuschauern vor Ort auszutragen?

Julia: Die Sicherheit und Gesundheit von Spielern und allen Beteiligten geht vor. Wir haben ein Hygienekonzept, das es theoretisch möglich gemacht hätte, dass die Teams das Turnier als LAN hätten austragen können. Aber wir haben uns dagegen entschieden. Ob der Spring Split wieder komplett online stattfindet werden wir rechtzeitig entscheiden.
Mit Zuschauern vor Ort planen wir nicht. Das ist einfach unrealistisch und in solchen Zeiten das falsche Zeichen. Sollte sich die Situation wider Erwarten kurzfristig massiv entspannen, könnten wir aber auch hier schnell reagieren. Wir haben die Räumlichkeiten und natürlich sehnen auch wir uns nach der Live-Atmosphäre, aber das wird wohl noch warten müssen.

CSNEWS: Wie möchtet ihr euch langfristig von anderen Ligen wie ESLM und der 99Liga unterscheiden, wenn ihr das Event nur online austragen könnt?

Julia: Wir glauben, dass wir schon mit der ersten Saison ein klares Zeichen gesetzt haben. Neben einer herausragenden "Production Quality" liefern wir noch andere Dinge. Wir versuchen das bestmögliche für das gesamte Ecosystem zu liefern. Dazu beziehen wir die Teams aktiv mit ein. Wir hören uns das Feedback an und versuchen einfach besser zu werden.

CSNEWS: Wie kam es dazu, dass ihr trotz der zahlreichen deutschen Ligen (ESLM, 99Liga, Merkur Masters, Highclickers) und dem engen Terminkalender der Teams euch dazu entschieden habt ein Turnier zu veranstalten?

Julia: Wir glauben, dass da in der deutschen Ligen-Landschaft noch viel Luft nach oben ist. Esport rückt mehr und mehr in die Mitte der Gesellschaft. Guckt man sich einige Turniere an, ist das, was man sieht, nicht ganz zeitgemäß. Unser Claim ist nicht umsonst: “Changing the Game. Forever.”

CSNEWS: Teams wie Sprout und aTTaX haben andere Ligen wie die 99Liga verlassen, weil der Kalender zu eng gestaffelt war. Wie möchtet ihr das verhindern und die nötige Relevanz behalten?

Julia: Wir stehen als Turnierveranstalter und aktive Esport Orga (MTW) in ständigem Austausch mit Teams, Managern, Ligaveranstalern usw. Wir versuchen auf Painpoints einzugehen und Lösungen zu finden.


CSNEWS: Gibt es schon Ideen, um nächstes Mal eine noch bessere Show zu liefern?

Julia: Definitiv. Wir hatten schon jetzt viele Ideen und haben von Show zu Show einige Dinge geändert: So haben wir mehr und mehr Live Grafiken wie beispielsweise Predictions mit eingebunden. Unser Ziel in der ersten Saison war er, eine reibungslose Show abzuliefern. Das haben wir größtenteils getan. Nun werden wir anfangen zu zeigen, was wir eigentlich können.

CSNEWS: Was ist aus deiner Sicht das schwierigste bei der Organisation eines Events wie der United Pro Series?

Julia: Es sind viele Faktoren, die man bedenken muss. Von der Organisation des Turniers über die rechtlichen Rahmenbedingungen über die Streamproduktion bis hin zum Koordinieren von Partnern und Sponsoren. Das schwierigste und zugleich spannendste dabei ist vielleicht, dass man mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeitet und versuchen muss, ein sehr sauberes Projektmanagement zu fahren, damit am Ende alles rund läuft und alle zufrieden sind.

CSNEWS: Was muss man als Veranstalter bei der Organisation eines Turniers alles bedenken?

Julia: Das ist eine Frage, die sich nur sehr umfangreich beantworten ließe. Es ist sehr viel. Aber wir haben ein starkes, erfahrenes Team, das weiß, was es tut. Wir sind aber gespannt auf weiteres Feedback in den kommenden Wochen und wollen wissen, was wir besser machen sollen oder worüber wir uns vielleicht bisher zu wenig Gedanken gemacht haben.


CSNEWS: Wie hoch sind in etwa die Kosten bei einem Event wie der United Pro Series?

Julia: Bei der UNITED Pro Series handelt es sich um ein Projekt, das wir zu hundert Prozent selbst veranstalten. Von der Idee, über das Konzept, Tournament Operations, Design bis hin zu Social Media und Community Management übernehmen wir mit unseren eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alles. Die Technik sowie Bühne und Caster-Kabinen sind Neuanschaffungen, die wir auch für andere Produktionen nutzen. Eine Zahl möchte ich nicht nennen, aber es ist ein Investment in die Zukunft. Wir hoffen, dass wir damit unserer Vision, Esport für jeden zugänglich zu machen, ein Stückchen näherkommen.
Es gibt inzwischen zahlreiche Turniere für die DACH-Region. Einen Vergleich zwischen Ligen wie der 99Liga, ESL Meisterschaft oder den Merkur Masters findet ihr hier.
Foto: MateCrate
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