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Duell der deutschen Ligen: United Pro Series setzt neue Maßstäbe
22.01.2021 17:59 TheHotz
Die erste Saison der United Pro Series hat neue Maßstäbe für deutsche Ligen gesetzt. Doch kann die Liga es mit den Platzhirschen von 99Damage und der ESL aufnehmen? Und welches der drei Formate ist das Beste?

Die Resonanz der Community war nach Abschluss der ersten United Pro Series (UPS) Saison fast ausschließlich positiv. Viele Spieler und Zuschauer lobten die hohe Qualität der Übertragung, die unter anderem durch Live-Feeds der Spieler im Stil der BLAST-Turniere aufgewertet wurde.
Keine Kosten gespart: UPS setzt auf Qualität
Die neue United Pro Series hat in der ersten Saison keine Kosten gespart und eine gute Show geliefert. Während der Finals wurden die Zuschauer zwischen den Spielen von Edona „DonaSpock“ Musliu und dem eSport Rhein-Neckar-Spieler Lukas "FreeZe" Hegmann unterhalten. Während den Matches übernahmen dann die beiden Timos „der_metzger“ und „Horstor“ und führten die Zuschauer durch das Spiel.
Wie es inzwischen bei Counter-Strike-Turnieren üblich ist , wurde auch auf ein eigens für die UPS angefertigtes In-Game-HUD gesetzt, das zusammen mit den Observern bei „ANATY Productions“ in Auftrag gegeben wurde. Zusätzlich wurden regelmäßig die aktuellen Vorhersagen der Zuschauer zum Matchup angezeigt.
Abgerundet wurde der Broadcast durch Spieler-Kameras, die zu jedem Zeitpunkt die Reaktionen der Beteiligten zeigten. Dadurch konnte zumindest teilweise eine LAN-Atmosphäre nachgestellt werden, obwohl das Turnier online stattfinden musste.
Jeder darf mitspielen: Das offene Format der United Pro Series
Statt auf ein klassisches Liga-Format à la ESL Meisterschaft zu setzen, hat man bei der United Pro Series auf einen BLAST-ähnlichen Turnierverlauf gesetzt.
Über eine Gruppenphase mit drei Gruppen a vier Mannschaften konnten sich die Gruppensieger direkt für die Finals qualifizieren. Die Plätze vier bis neun der Gruppenphase erhielten eine zweite Chance mit der Qualifizierung zum sogenannten „Showdown“.

Zum „Showdown“ durften wiederum neben den fünf Teams aus der Gruppenphase noch vier weitere Mannschaften teilnehmen. Diese hatten vorher über insgesamt vier offene Qualifier eine Teilnahme erspielt. Die drei besten Teams des „Showdowns“ wurden anschließend ebenfalls zu den Finals eingeladen.

Neben den 35.000 Euro hohem Preisgeld bei den Finals, wurden bei jedem der vier offenen Qualifier insgesamt 1.250 Euro an die Sieger ausgezahlt. Unter den Plätzen vier bis sechs des Showdowns wurden weitere 1.000 Euro aufgeteilt. Insgesamt wurden somit 41.000 Euro ausgezahlt, genau eintausend Euro mehr als bei der ESL Meisterschaft.
Die größte Community-Liga: Das macht die 99Liga besonders
Die 99Damage-Liga gehört mit über 1.000 Teams zu den größten Ligen der Welt. Genau das ist es auch, was die 99Liga besonders macht. Egal wie gut man ist, jeder kann mitspielen, ohne einen Cent zu bezahlen.
Trotz der Größe hat auch jedes Team die Möglichkeit während einer Saison sich über den Live-Support Hilfe zu holen oder bei Unstimmigkeiten einen Admin ran zu holen. Der logistische Aufwand hinter dem System ist entsprechend groß.
Nach den Absprüngen von Teams wie ALTERNATE aTTaX und Sprout wurde aber in den vergangenen Saisons immer deutlich, dass die Liga vor allem für die deutschen Top-Teams nicht wichtig ist. Denn im Vergleich zur ESL Meisterschaft fehlt nicht nur die Anbindung an die ESL Pro Tour, auch das Preisgeld ist vergleichsweise wenig. Insgesamt knapp 14.000 Euro gehen an die vier besten Teams. An alle Mannschaften wird zusätzlich ein Saison-Bonus von 350 Euro und eine Prämie in Höhe von 125 Euro pro Mapgewinn ausgezahlt. Insgesamt liegt das zu gewinnende Preisgeld damit knapp unter 25.000 Euro.

Die 99Liga setzt im Gegensatz zur UPS nicht auf ein maßgeschneidertes In-Game-Overlay bei ihren Übertragungen. Während der "Liga-Phase" werden alle Spiele auf Twitch übertragen und von einem Kommentatoren begleitet. Zu den Finals setzt man dann auch bei 99Damage auf ein Studio mit Host und Gästen wie Adrian "Aika" Schunke als Analyst.
ESL Meisterschaft: Die höchste Spielklasse Deutschlands
Ganz anders als die 99Liga setzt die ESL Meisterschaft darauf, dass man die höchste Spielklasse in Deutschland präsentiert. Denn neben der ersten Liga gibt es bei der ESL nur eine weitere Division. In der „Open Division“ tummeln sich alle anderen Teams, die in einem SWISS-Format gegeneinander spielen müssen.
Die besten vier Teams der „Open Division“ qualifizieren sich für ein Relegations-Turnier und dürfen um den Aufstieg spielen. Alle anderen Teams der unteren Spielklasse müssen es in der nächsten Saison erneut versuchen. Sie haben sich keinen Aufstieg oder ähnliches verdient.
Mehr als nur Preisgeld: Die ESL Pro Tour
Dafür gibt es für die zwölf Teams der ersten Division die Chancen weit mehr als nur Preisgelder zu gewinnen. Denn als Teil der ESL Pro Tour bekommt der Sieger der ESL Meisterschaft nicht nur 15.000 Euro, sondern auch eine Einladung zu einem ESL oder DreamHack-Event.
So wurde der neu gekrönte Meister Sprout zur „DreamHack Open January“ eingeladen, einem Online-Turnier mit einem Preisgeld in Höhe von 70.000 US-Dollar. Zusätzlich durfte Sprout bei der EPEC Winter 2020 antreten. Das ist sozusagen der Europapokal der Landesmeister. Hier treten die Sieger der nationalen ESL-Turniere gegeneinander an.
Diesmal konnten sich die Movistar Riders den Gesamtsieg sichern und damit eine Einladung zum IEM Katowice Play-in gewinnen. Sprout schaffte es auf den dritten Platz.
Wann kommt die Super-Liga?
Schon seit einiger Zeit wird über eine Fusion der 99Liga und ESL Meisterschaft spekuliert. Dabei soll die Community-Liga als Unterbau zur ESLM dienen. Dadurch wäre die ESL Meisterschaft weiterhin die höchste Spielklasse in Deutschland und könnte als Teil der „ESL Pro Tour“ für die besten Teams der DACH-Region das Sprungbrett in internationale Gewässer sein.
Die 99Liga könnte hingegen weiterhin ein Spielplatz für zahlreiche Amateur- und Profi-Teams sein. Obendrein könnte sie deutlich interessanter werden, da Teams sich in der Theorie von ganz unten bis in die ESL Meisterschaft spielen können.

Mit dieser Kooperation könnten ESL und 99Damage alle anderen DACH-Ligen und Turniere in punkto Relevanz ausstechen. Denn in einem eng gestaffelten Terminkalender werden sich Teams stets für die Liga entscheiden in der es am meisten zu gewinnen gibt. Bei einer Zusammenlegung der 99Liga und ESL Meisterschaft könnte man die besten Aspekte der Ligen vereinen und eine perfekte DACH-Liga erschaffen.

Update 22.01. um 19:30: Der Abschnitt zu den Merkur Masters fehlte im ursprünglichen Artikel
Merkur Masters versus United Pro Series

Was die 99Liga zur ESL Meisterschaft ist, ist die UPS zu den Merkur Masters. Auch hier ähneln sich die Turnierformate sehr. Beide Turniere setzen auf offene Qualifier, über die sich die Mannschaften zum Hauptevent qualifizieren können.
Auch bei den Merkur Masters treten mit BIG und Sprout Deutschlands beste Teams an, was dem Event ordentlich Relevanz verleiht. Neben den 35.000 Euro beim Hauptevent verteilte der Veranstalter bei der zweiten Saison weitere 16.000 Euro Preisgeld während dem Closed und Open Qualifier.

Mit Fatih „gob b“ Dayik, Michele „zonixx“ Köhler, Maximilian "Mux0r" Schlosser und Timo "Horstor" Prestin als Experten und Kommentatoren gab es für die Zuschauer während des Hauptevents durchgehend Unterhaltung. Auch hier wurde an den Produktionskosten nicht gespart. Neben einer Studioumgebung wurde auf ein eigenes In-Game-Overlay gesetzt. Zwischen den Matches gab es zusätzlich eigens für die Merkur Masters produzierte Videos, darunter zahlreiche Spielerporträts.
Hohes Spielpensum für deutsche Teams
Sollten im Jahr 2021 auch noch andere Turniere wie die Merkur Masters erneut auf dem Kalender stehen, müssen mehr deutsche Mannschaften damit beginnen Prioritäten zu setzen. Was bedeuten würde, dass zum Beispiel die 99Liga auf weitere Top-Teams verzichten muss oder aber das Investment der United Pro Series langfristig ins Leere läuft.
Denn neben den deutschen Wettbewerben wächst auch international das Spielpensum für die Teams. Zum Beispiel werden in der ESEA-Liga künftig vier statt drei Seasons ausgetragen, die Zahl der Spiele pro Seasons bleibt dabei gleich. Obendrein wird es auch im Jahr 2021 wieder zahlreiche Online-Cups mit ordentlichen Preisgeldern geben, bei denen deutsche Teams vor größerem Publikum spielen können.

Auf Teams der DACH-Region kommen dementsprechend einige schwierige Entscheidungen zu. Denn auf allen Hochzeiten kann man bekanntlich nicht gleichzeitig tanzen. Klar ist auf jeden Fall, dass die ESL Meisterschaft als höchste Spielklasse stets eine Priorität für alle deutschen Teams sein wird. Ob 99Liga, United Pro Series und andere Turniere wie die Merkur Masters langfristig koexistieren können wird sich im Laufe des Jahres zeigen.

Deutlich wurde aber, dass es künftig von den beiden etablierten Ligen auf Dauer mehr Investitionen braucht. Sonst ist die ESL Meisterschaft schon bald nicht mehr der wichtigste Wettbewerb in Deutschland.

In den nächsten Wochen erscheint ein Interview mit Julia Wilner. Sie ist Teil der Geschäftsführung der MateCrate GmbH, dem Veranstalter der United Pro Series. Sie gibt einen Einblick hinter die Kulissen des Turniers und wie es aktuellen in der deutschen Counter-Strike-Landschaft aussieht.

Foto: MateCrate
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